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Mein erstes Mal

Blogbeitrag zur ersten Teilnahme an einem Buko

Ich habe den Fehler begangen leicht übernächtig zu meinem ersten Bundeskongress zu erscheinen, weil… der Vortag ein Freitag war und ich jung bin. Trotz nicht optimaler Startbedingungen für ein Wochenende voller Politik, nehme ich die lange, lange U-Bahnfahrt bis zur Location des Bukos, das JUFA Hotel in Simmering (yeah?!), auf mich. Am Ort des Geschehens eingetroffen erblicken meine müden Äuglein mit Freude ein Frühstücksbuffet und das Elixier des Lebens: Kaffee!

 

Beim Check-in bekommt jeder Stimmzettel, ein Papier, auf dem die Anträge aufgelistet sind, über die in einem ominösen „Alex-Müller-Verfahren“ abgestimmt werden soll, und eine kleine pinke Abstimmkarte. Auf dieser ist eine Hand in einer „Rockergeste“ abgebildet, über der groß das Wort „Freiheit!“ steht. Die Menschenmenge bei Bravehearts Hinrichtung hätte mich sicher darum beneidet. Es ertönt ein Geräusch, das an eine Schulglocke erinnert. Hektisch wird noch an Kaffee und mega-gutem kleinen Gebäck aufgestockt. Der Saal, in dem der Buko stattfindet, besteht aus Tischreihen, vor denen zwei Leinwände und ein Rednerpult aufgebaut sind. Da ich ein sehr extrovertierter Mensch bin, gibt es nichts Schöneres für mich als ein Saal voller, großteils fremder Menschen. Die ganzen fremden Menschen und der Kaffee erwecken meine Lebensgeister, und nachdem alle im W-LAN sind, kann der 15. Buko auch schon beginnen.

 

Zuerst werden ein paar Dankesreden gehalten. Man ist ergriffen, auch als Außenstehender. So ähnlich wie auf einer Hochzeit, bei der man zwar keine Ahnung hat von dem was die Leute da erzählen, aber man merkt, dass es hier um eine ganz besondere Verbindung zwischen (freiheits-)liebenden Menschen geht. (Ja, es ist sogar das Wort „Lebensmensch“ gefallen.)

 

Wer jetzt glaubt, dass sich danach alle an den Händen gehalten haben und Kumbaya gesungen haben, irrt. Als die Debatten zum Leitantrag anfangen, zeigt sich: Die JUNOS mögen es hart, wenn es um inhaltliche Debatten geht. Die großen Themen unserer Gesellschaft wie Demokratie, Asylrecht, Bildung und Europa werden diskutiert und debattiert. Auch wenn diese Themen mit Ernst und engagiert diskutiert werden, ist zu bemerken, dass sich die Versammelten selber nicht immer allzu ernst nehmen. Parallel zur Debatte läuft auf den Social Media Kanälen eine Art „Live-Satire“ der Teilnehmer von den Teilnehmern für die Teilnehmer.

 

Die Teilnehmer sind eine äußerst spannende Ansammlung von Menschen: Von schamlosen Selbstinszenierern über rhetorisch geeichte Berufspolitiker bis zu den Experten, die erst etwas sagen, wenn wirklich eindeutig zu viel BS geredet wird. Die Vielfalt wird hier gefeiert. Allen Versammelten ist aber gemein, dass ihnen nicht egal ist, wie und was in der Politik gemacht wird und, dass jeder hier aktiv seine Zukunft mitgestalten möchte.

 

Generell fällt mir auf, dass man sich sehr bemüht, Ersties wie mich herzlich zu empfangen und dazu zu animieren sich in den Debatten zu beteiligen. Von Anfang an kann man hier mitreden und mitgestalten, selbst wenn man (noch) kein Mitglied ist. Man war auch noch nie in meinem Leben so froh darüber mich nicht zu kennen, da immer wieder von der Freude, so viele unbekannte Gesichter zu sehen, die Rede war. Frei nach den philosophischen Worten von Nickie Minaj „Clap, clap, clap for this pussy n****“ wird auch einfach oft geklatscht weil man eine Frau ist. Daran könnte ich mich gewöhnen.

 

Es ist früher Abend und meine Energie ist schon etwas gedämpfter. Unter anderem, weil an einem Punkt des Nachmittags, zur allgemeinen Betroffenheit, die Kaffeemaschine verschwunden ist. Da es aber einfach nur traurig ist an einem Samstag Abend zu schlafen, finde ich mich motiviert zur Buko-Party ein. Ich muss schon sagen, dass ich mir was das Feiern betrifft, mehr Eskalation vorgestellt habe unter den Jungen und Liberalen. Die Party kommt unter den pullundierten Gästen nur schleppend ins laufen. (Ich sag jetzt mal, das lag an den guten Gesprächen, und nicht nur am niedrigen Alkoholpegel. Wahrscheinlich beides 😉 ) Ein Niki Scherak ergreift unfreiwillig, in der Mitte des Dancekreises gefangen, die Flucht, wippt dann aber zumindest cool neben dem DJ mit. Die „Julis-Hymne“ ertönt und der Dancefloor wird gestürmt, es bildet sich ein Kreis wild-grölender junger Menschen. Dazwischen ich irgendwo eingeklemmt. Meine Blicke treffen sich mit denen von Max, der auch das erste Mal auf einem Buko ist, und wir teilen einen Moment der awkwardness, als wir Zeuge von (Freiheits-)Liebe in ihrer rohesten Form werden. Die Stimmung ist ausgelassen, ein Hauch von Eskalation liegt in der Luft.

 

Am nächsten Tag finden sich alle wieder brav ein, um weitere Anträge zu diskutieren und zu beschließen. (Die U-Bahn-Fahrt war ja eh länger, da konnte man noch Schlaf nachholen.) Als mein erstes Mal Buko endet frage ich mich, wie ich einen Buko am Besten beschreiben soll, ich versuche es einmal so:

 

Buko ist ein Ort an dem junge, motivierte Menschen ihren Traum von einer besseren Welt leben. Danke an euch Alle, bleibt so motiviert und koffeiniert, bis zum nächsten Mal!

 

Marie-Hélène

 

PS: Bilder vom 15. Bundeskongress findet ihr auf unserer Facebook-Seite.

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